Ängstlichkeit oder krankhafte Angst?

Angstzustände und Phobien Ängstlichkeit oder krankhafte Angst? (© alphaspirit - Fotolia.com)

Was ist Angst? Bevor die Frage ausgeleuchtet werden kann, ab wann Angst krankhafte Züge zeigt, sollte zuerst der Begriff „Angst“ definiert werden. Ohne diese urmenschliche Emotion gäbe es den Menschen in seiner heutigen Gestalt nicht. Angst warnt vor Gefahren und schärft die Sinne. Entsteht eine bedrohliche Situation und eine Person bekommt Angst, spannen sich die Muskeln an, der Herzschlag erhöht sich und die Produktion von Stresshormone wird gesteigert. Der Verstand ist hellwach und bereit, in Sekundenschnelle die Entscheidung zwischen Angriff oder Flucht zu treffen. Ist der Gefahrenmoment vorüber, normalisiert sich der Herzschlag wieder, die Stresshormone werden abgebaut und das Gehirn schaltet wieder in den Normalmodus. Was sich hier so kompliziert darstellt, ist ein alltäglicher Vorgang, dem alle Menschen hin und wieder ausgesetzt sind. Erst, wenn dieser an sich natürliche Vorgang in irgendeiner Form ausufert, kann von einer Angststörung ausgegangen werden. Der Weg von einer Angststörung zu einer behandlungsbedürftigen Angst ist allerdings nicht sehr weit.

Angst oder Phobie?

Als Phobie wird eine Form der Angststörung bezeichnet. Jeder kennt Begriffe wie „Spinnenphobie“ (Arachnaphobie) oder die panische Angst vor dem Fliegen (Aviophobie). Insgesamt akzeptiert die Wissenschaft um die 650 unterschiedliche Phobien. Angststörungen gehören zu den am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen im psychologischen Bereich, so die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Etwa jeder achte Deutsche muss sich mindestens einmal in seinem Leben mit einer Angststörung auseinandersetzen.

Dabei reicht oft der Gedanke an das aus, was die Angst auslöst, um die Symptome hervorzurufen. Diese reichen von Herzrasen über Beklemmungen bis zu zitternden Händen oder Schwindelgefühlen. Die Kontrolle scheint verloren. Einige Betroffene beschreiben ein Engegefühl im Brustraum, das teilweise in Atemnot oder Hyperventilation gipfelt. Allerdings werden die körperlichen Symptome oft nicht gleich der Angst zugeordnet und werden somit nicht ursächlich behandelt.

Geht es um das alltägliche Leben, kann sich solch eine Angst zu einer schlimmen Krankheit aufrüsten. Um es an einem Beispiel zu veranschaulichen: Ein Betroffener hat Angst in geschlossenen Räumen (Klaustrophobie). Was mit einem unguten Gefühl in einem geschlossenen Zimmer beginnt, kann in einer totalen Beklemmung im Fahrstuhl, im Kino oder in einem öffentlichen Verkehrsmittel seinen Höhepunkt erreichen. Betroffene können kaum am täglichen Leben teilnehmen, sie isolieren sich zunehmend und es bedarf dringender Hilfe in Form einer Therapie. Wird der Angst nicht mit professioneller Hilfe begegnet, ist der soziale Rückzug der Betroffenen bis hin zu Depressionen die Folge.

Wie wird Betroffenen geholfen?

Um einer krankhaften Angst beizukommen, stehen der modernen Wissenschaft und Medizin mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Laut Professor Borwin Bandelow von der DGPPN zeigen psychotherapeutische Verfahren oder eine gezielte Medikamen-tengabe eine mindernde oder gar abbauende Wirkung. Bei einer Therapie lernen Be-troffene, mit ihrer Angst umzugehen, was sich positiv auf die Erkrankung auswirkt. Bei einigen Patienten konnten mit tiefenpsychologischen Verfahren, Verhaltenstherapien oder Hypnosesitzungen gute Wirkungen im Kampf gegen die krankhafte Angst erzielt werden.