Gründe für Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen

Etwa 20 Prozent aller Bundesbürger können ein Lied darüber singen, wie schlecht es um ihre Nachtruhe bestellt ist. Entweder liegt es daran, dass die Betroffenen erst gar nicht einschlafen können oder sie haben Probleme mit dem Durchschlafen. Mediziner sprechen von einer "Insomnie".

Schlafstörungen und Einschlafprobleme Gründe für Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen (© Dan Race - Fotolia.com)

Peter Young, Direktor der Klinik für Schlafmedizin und neuromuskuläre Erkrankungen am Uniklinikum Münster erklärt, wann aus medizinischer Sicht von einer Insomnie gesprochen wird: „Treten die Ein- oder Durchschlafstörungen über einen Zeitraum von mehr als einem Monat mindestens dreimal wöchentlich auf, dann lautet die Diagnose Insomnie. Das gelte insbesondere dann, wenn der Alltag der Betroffenen eingeschränkt sei, so der Fachmann. Denn Insomnie führt auf Dauer zu einem steten Erschöpfungsgefühl und die Leistungsbereitschaft kann unter dem Schlafmangel erheblich leiden.

Die Folgen können sogar gravierende Ausmaße annehmen, denn Insomnie erhöht das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen. Das liegt ganz einfach daran, dass die Regenerationsphase für den Körper nicht ausreicht und Stresshormone produziert werden. Auch Krankheiten wie Depressionen oder ein kränkelndes Immunsystem können auf das Konto von Ein- oder Durchschlafstörungen gehen, so der Peter Young.

Die Gründe für Insomnie

Es gleicht der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen, möchte man die Ursachen für Insomnie herausfinden. Körperliche oder seelische Erkrankungen kommen ebenso in Betracht wie Stress im Alltag – oder ganz simpel Angewohnheiten, die der Gesundheit nicht zuträglich sind. Betroffene sollten zunächst ihren Hausarzt aufsuchen, um medizinische Gründe ausschließen zu können. Die eigene kritische Sicht auf die Lebensführung ist hierbei unerlässlich. Helfen könnte ein Facharzt, der sich auf die Schlafmedizin spezialisiert hat. Die sogenannte „Somnologie“ umfasst als Ergänzung die Lehre des Schlafes.

Jürgen Zulley, Professor für biologische Psychologie an der Universität Regensburg erklärt, dass nach Ausschluss medizinischer Ursachen eine Beratung zum Schlaf, zur Schlafhygiene und eine Analyse des Verhaltens, unumgänglich sind. Erst wenn alle Therapieansätze versagen, kämen als letztes Mittel verschreibungspflichtige Schlaftabletten infrage.

Was können Betroffene selbst tun?

Helene Schwarz von der Selbsthilfegruppe Ein- und Durchschlafstörungen im Pfalzklinikum Klingenmünster hat einige Tipps für Betroffene parat: So weist sie daraufhin, dass eine allgemein gesunde Lebensweise als schlaffördernd eingestuft wird. Am Abend sollten Betroffene kein schweres Essen zu sich nehmen. Bei einigen Personen hilft es tatsächlich, wenn sie vor dem Schlafengehen heiße Milch mit Honig trinken. Die Wirkung des Getränkes ist leicht erklärt: Einerseits entspannt die Wärme und andererseits enthält Milch Tryptophan , ein natürliches Schlafmittel. Dieses ist zwar auch in Schokolade enthalten, doch daneben findet sich in solch einem Betthupferl auch Koffein, also ein Wachmacher.

Alkohol wirkt einschlaffördernd, denn er wirkt auf das zentrale Nervensystem. Doch die Menge ist entscheidend. Bekommt der Körper zu viel Alkohol, ist er über Nacht mit dem Abbau beschäftigt, anstatt sich zu erholen, darauf weist Jürgen Zulley hin. Weiter erklärt der Professor, dass das Verhältnis von Tief- und Traumphasen durcheinander kommt, was zu Schweißausbrüchen, Herzrasen und ständigem Aufwachen führen kann. Ein weiterer Grund liegt in der Suchtgefahr. Denn wer täglich seinen Schlummertrunk einnimmt, kann mit der Zeit eine schleichende Abhängigkeit entwickeln.

Entspannungstechniken wie etwa autogenes Training können dem Patienten zwar beim Einschlafen helfen, doch gegen Durchschlafstörungen helfen sie meist nicht. Das sagt Ingo Fietze, der Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité in Berlin. Dagegen sei Sport ein effektives Mittel, denn das macht müde und sorgt oft für einen erholsamen Schlaf. Zudem hilft körperliche Betätigung dabei, Stress abzubauen, was wiederum zu einem besseren Schlaf führt. Allerdings gibt es eine Einschränkung, so der Experte: Sport aktiviert den Stoffwechsel und regt den Kreislauf an. Wer also am Abend Sport treibt, könnte aufgrund dessen mit Schlafstörungen konfrontiert werden. Besser ist es laut dem Mediziner, sich tagsüber auszupowern, sodass dem Körper genügend Zeit bleibt, sich wieder herunterzufahren.

Für viele ist Musik ein probates Mittel, um einzuschlafen. Schlafforscher Zulley weist daraufhin, dass am besten ruhige Klänge gewählt werden sollten und die Lautstärke nicht zu weit hochgedreht wird. Für viele Menschen ist der Fernseher das Mittel erster Wahl. Dabei eignet er sich nur bedingt als Schlafmittel. Ein aufregender Krimi wühlt auf und lässt Körper und Geist kaum zur Ruhe kommen. Der laufende Fernseher ist übrigens völlig ungeeignet, denn die unterschiedliche Geräuschkulisse stört die Nachtruhe elementar. Zudem hemmt das kleine blaue Licht am Fernseher die Produktion des Schlafhormons Melatonin.