Narzissmus: Eine Frage entlarvt einen Narzissten

Wer von anderen als Narzisst bezeichnet wird, wird diese Aussage in der Regel nicht gerade als schmeichelnd empfinden - es sei denn, der Angesprochene ist ein Narzisst.

Narzissmus - Eine Frage entlarvt einen Narzissten Narzissmus: Eine Frage entlarvt einen Narzissten (© theartofphoto - Fotolia.com)

Was ist ein Narzisst?

Vorneweg – es sind schwierige Charaktere. Narzissten sind der Meinung, sie sind etwas Besonderes, ihr Machtgefühl ist gewaltig und von der Umwelt erwarten Narzissten ständiges Lob und Anerkennung. Wehe dem, der einen Narzissten kritisiert, dem wird es nicht gut ergehen. Die Selbsteinschätzung eines Narzissten schwebt über allen Sphären. Narzissten machen keine Fehler, sie handeln immer akkurat, ihre Denkweise ist die einzig Richtige und nach außen präsentieren sie dieses Gebaren mit einer Aufgeblasenheit und Arroganz, die schier unerträglich ist. Die eigenen Eigenschaften eines Narzissten zeichnen sich seiner Meinung nach durch Erfolg, Macht, einem extremen Scharfsinn und natürlich idealer Schönheit aus. Narzissten sind wahrlich keine einfachen Menschen.

Die Ursachen von Narzissmus

Zwei wesentliche Gründe kommen unter anderem als Ursache von narzisstischen Zügen in Betracht: Wird ein Mensch in frühster Kindheit mit völliger Gleichgültigkeit behandelt, kann sich eine regelrechte Gier nach Bewunderung herauskristallisieren. Oder das Gegenteil ist der Fall – wird ein Kind mit Lob und Bewunderung überhäuft, wird es stets verwöhnt, kann sich auch dies im späteren Leben als persönlichkeitsstörend auswirken. Durch den aktuellen Trend einer antiautoritären Erziehung gilt die Generation der nach 1982 Geborenen als besonders anfällig dafür, im späteren Erwachsenleben narzisstische Züge zu zeigen. Die Eltern meinen es oft „zu gut“, wenn es um die freie Entfaltung ihres Nachwuchses geht. Dadurch kann sich kein gesundes und normales Selbstwertgefühl aufbauen. Oft fehlt es an positiven Gefühlen für andere Menschen. Mitleid oder Hilfsbereitschaft sind faktisch nicht vorhanden, und wenn Gefühle für andere Menschen im Spiel sind, dann in bösartigen Formen – etwa als Eifersucht oder Neid.

Eine Frage entlarvt einen Narzissten

US-amerikanische Forscher berichten im Fachmagazin „Plos One“ über eine neue Studie. Die Psychologen untersuchten rund 2.200 Freiwillige und fanden dabei heraus, dass ein komplexes, psychologisches Verfahren unnötig ist, um einen Narzissten zu entlarven. Es reicht, wenn man ihn direkt fragt, ob er denn ein Narzisst ist. Die Antwort lautet: „Ja, klar!“ Wie bereits beschrieben, sind Narzissten extrem selbstverliebt und das führt dazu, dass sie Narzissmus als einen positiven Aspekt wahrnehmen. Brad Bushman von der Ohio State University in Columbus beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit narzisstischen Persönlichkeitsstörungen. Er erklärt gegenüber „Newsweek“, dass ein Narzisst sich weder schämt noch Angst davor hat, ein Narzisst zu sein.

Die Forscher nutzten insgesamt elf Experimente, um zu testen, inwieweit sich Narzissten tatsächlich nur auf diese eine Frage einlassen. Die Zuverlässigkeit, mit der die Frage: “ Wie sehr stimmen Sie der Aussage zu: Ich bin ein Narzisst?“ beantwortet wurde, ist erstaunlich. Die Befragten scheinen stolz darauf zu sein, an dieser Persönlichkeitsstörung zu „leiden“.

Veränderungen sind schwer

Sara Konrath von der Indiana University in Ann Arbor weist in einer Mitteilung zur Studie darauf hin, dass es für die Betroffenen wichtig sei, ihre Persönlichkeitsstörung zu kennen. Denn narzisstische Personen haben normalerweise wenig Empathie, doch dieses Einfühlungsvermögen ist einer der wichtigsten Gründe, um für Hilfebedürftige etwa Zeit oder Geld zu spenden.

Doch das Hauptproblem eines Narzissten liegt in seiner Denkweise, denn – er ist doch großartig, warum sollte daran etwas verändert werden?

Quelle: Spiegel.de