Fett, Zucker: Diabetes-Ärzte fordern Kaloriensteuer für Lebensmittel

Eine ungesunde Ernährungsweise kostet langfristig gesehen viel Geld. Denn die teuren Behandlungen von Herz-Kreislauferkrankungen und vor allem Diabetes gehen meist auf das Konto einer zu süßen und fettreichen Ernährung.

Diabetes-Ärzte fordern Kaloriensteuer für Lebensmittel Diabetes-Ärzte fordern Kaloriensteuer für Lebensmittel (© Stefan Körber - Fotolia.com)

Auf der Suche nach Wegen aus dieser Falle gehen die Krankenkassen mit der Förderung von Sportprogrammen gegen die Entwicklung steigender Patientenzahlen vor. Die Diabetes-Verbände hingegen greifen auf die Idee zurück, mittels einer Steuer auf Fett und Zucker das Konsumverhalten solcher Lebensmittel zu reduzieren.

Was machen andere Länder?

Im Jahr 2011 führte Dänemark als erstes Land der Welt eine Steuer auf Fette in Lebensmitteln ein. Doch viele Dänen kauften sich die Lebensmittel einfach im Ausland – somit gehört die Steuer inzwischen wieder der Vergangenheit an.

Die sogenannte „Cola-Steuer“ sorgt in Frankreich seit 2012 für höhere Einkaufspreise. Besteuert werden sämtliche Getränke, die mit Zucker angereichert sind.

In Mexiko hingegen gibt es eine Steuer für sämtliche Fast-Food-Gerichte, Softdrinks oder Süßigkeiten, die mehr als 275 Kalorien pro 100 Gramm enthalten.

Die Gründe für die Forderung

Die Diabetes-Verbände fordern zum wiederholten Mal eine höhere Steuer auf ungesunde Lebensmittel. Der Grund klingt plausibel und ist nachvollziehbar: Pro Tag erhalten laut den Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) mehr als 700 Menschen die Diagnose „Diabetes mellitus“. Diese hohe Zahl beinhaltet eine enorme Erkrankungsrate bei Kindern und Jugendlichen. Oft steckt eine falsche und unausgewogene Ernährung dahinter, warum junge Menschen zuckerkrank werden (Typ 2). Zieht man diesen Typ 2 zum Vergleich heran, ist die Rate der an Typ 1 erkrankten Personen deutlich geringer. Typ 1 beschreibt eine Autoimmunkrankheit, bei der sich das körpereigene Abwehrsystem gegen die produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse richtet und diese angreifen. Dadurch kommt es zum Ausbleiben der Insulinproduktion.
Typ 2 hingegen bezeichnet eine Stoffwechselkrankheit, die jedoch durch Übergewicht und Bewegungsmangel geradezu „genährt“ wird.
Diabetes mellitus bedeutet wörtlich aus dem Griechischen übersetzt: „Honigsüßer Durchfluss“. Diese Bezeichnung resultiert aus der Antike und bezieht sich auf den Urin. Die alten Griechen erkannten nämlich, dass bei einigen Personen der Urin wesentlich süßer ist als bei anderen.

Die Generation „Silber“ ist oft betroffen


Ein Blick auf die ältere Generation zeigt, dass die Lage noch deutlich verschärft ist. So ist mittlerweile jeder dritte Deutsche über 70 Diabetiker (Typ 2). Diese Erkrankung wurde deswegen in jüngster Vergangenheit auch gerne als „Alterszucker“ bezeichnet. Doch da die Erkrankung immer mehr um sich greift und bei jüngeren Personen eine zunehmend tragende Rolle spielt, kann von einer Alterserscheinung keine Rede mehr sein.
Die klare Ansage der Mediziner und Verbänden

DDG-Geschäftsführer Dietrich Garlichs ist der Meinung, dass eine Anhebung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent für besonders süß- oder fetthaltige Produkte ein sinnvoller Ansatz wäre, das Problem zu lösen. Im Gegenzug könnten gesunde Lebensmittel, etwa Obst oder Gemüse, geringer besteuert werden. Aktuell wird für die meisten Lebensmittel ein Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent erhoben.
Die DDG untermauert ihre Forderung mit den Erfolgen in der Prävention bei den Zigaretten und Alcopops. Garlichs weist daraufhin, dass nach der Steuererhöhung auf diese Konsumgüter der Verbrauch erheblich zurückging.

Es reiche einfach nicht aus, der Bevölkerung zu sagen, sie solle sich doch bitte gesünder ernähren und Übergewicht vermeiden. Immerhin sind rund zwei Drittel der Männer und etwa die Hälfte der Frauen in Deutschland übergewichtig. Somit hat ein Großteil der Bevölkerung ein erhöhtes Diabetes-Risiko. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) stieg die Erkrankungszahl in den Jahren zwischen 1998 und 2011 um satte 38 Prozent an. Die Folgen sind dramatisch und sollten zum Nachdenken anregen: Pro Jahr werden laut dem DDG 40.000 Amputationen durchgeführt, 2.000 Erblindungen diagnostiziert und 2.300 Menschen müssen neu wegen einer Nierenerkrankung zur Dialyse.

Der Uno-Gipfel will Abhilfe schaffen

Margaret Chan, Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt, dass immer noch zu sehr in Krankheiten statt in deren Verhinderung gedacht werde. Der Uno-Gipfel fand in der vergangenen Woche in New York statt. Es ging hauptsächlich um die nichtübertragbaren Krankheiten. Doch zahlreiche Länder berichteten von ihren Bemühungen, ihre Bewohner zu einer gesünderen Lebensweise zu bewegen. Etwa durch eine Reduktion von Salz oder einer Besteuerung von Süßem beziehungsweise Fetthaltigem. Deutschland war leider nicht anwesend, so der DDG in einer Pressemitteilung.

Fazit

Ob und wie sich die Steuererhöhungen der einzelnen Länder auswirken, zeigt sich in den kommenden Jahren. Doch es wird wenigstens versucht, seinen Bürgern eine gesündere Lebensweise nahezubringen – und wenn es nur über die Geldbörse geschieht.