Stiftung Warentest – kein gutes Urteil über Mineralwasser

Die Stiftung Warentest ist derzeit in aller Munde. Grund dafür ist der Test von Mineralwassern. Von den 30 getesteten Produkten konnten lediglich sechs überzeugen.

Stiftung Warentest - kein gutes Urteil über Mineralwasser Stiftung Warentest - kein gutes Urteil über Mineralwasser (© stockphoto-graf - Fotolia.com)

Die Tester sind der Meinung, dass es enorme Unterschiede bezüglich der Qualität von Mineralwasser gäbe. Dieses Testergebnis rief die Hersteller auf den Plan. Sie warfen der Stiftung Warentest vor, „falsche Standards“ zu nutzen, worauf die Forderung nach EU-konformen Standards folgte.

Um was geht es genau?

Die Tester nahmen sich 30 Mineralwasser (Medium) zur Brust – beziehungsweise unter die Lupe. Darunter befanden sich bekannte Marken, wie etwa „Apollinaris“, „Justus-Brunnen“ oder „Markgrafen“. Auch die Eigenmarken von Kaufland, Aldi Süd, Edeka und Rewe wurden getestet. Heraus kam laut der Stiftung Warentest, dass jedes dritte Wasser Verunreinigungen aus der oberen Erdschicht aufwies. Beispielsweise wurde ein künstlicher Süßstoff nachgewiesen, aber auch Abbauprodukte von Pestiziden oder Korrosionsschutzmittel fanden sich in den Produkten.

Die Tester sind zwar der Ansicht, dass die gefundenen Verschmutzungen keine Gefahr für die Gesundheit darstellten, aber sie würden den Status eines „reinen“ Wassers empfindlich stören. Genau diese Reinheit ist nach der „Mineral- und Tafelwasserverordnung“ der springende Punkt, ob ein Mineralwasser ein „natürliches“ Mineralwasser ist.

Die Kritik der Mineralwasser-Hersteller

Arno Dopychai vom Verband Deutscher Mineralbrunnen äußerte sich gegenüber dem Deutschlandfunk dahingehend, dass die Stiftung Warentest mit falschen Standards testete. Ein „natürliches Mineralwasser“ muss seinen Ursprung – laut Gesetz – aus unterirdischem und geschütztem Wasservorkommen haben. Somit ist das Wasser „ursprünglich rein“. Arno Dopychai kritisiert, dass die Tester einen Nullstandard anlegten, was nicht möglich sei. Die heutige Zeit erlaube modernste Untersuchungsmethoden, die eine Messung bis zu einem Nanogramm ermöglichen.
Eine einheitliche Gesetzeslage gebe es nicht, führt der Verbandssprecher weiter aus. Die Hersteller lehnen sich vielmehr an den geltenden Orientierungswerten an. Allerdings plädiert er für eine Einführung von EU-Grenzwerten. Die gesamte Branche fordert seit Jahren solch eine Richtlinie, die europaweite Gültigkeit hätte.
Die „ursprüngliche Reinheit“ müsse so geregelt werden, dass sie realistisch umsetzbar – also „handhabbar“ sei.

Weitere Kritikpunkte der Tester

Nicht nur die gefundenen Verunreinigungen zogen für die meisten Mineralwasser ein schlechtes Ergebnis nach sich, sondern auch die Inhaltsstoffe der Produkte. Mineralwasser wird in der Regel mit einem hohen Gehalt an Mineralstoffen beworben. Doch nur in 12 der 30 getesteten Produkte fanden die Tester ein Mineralstoffgehalt von mehr als 500 Milligramm pro Liter. Bei den restlichen 18 Testwassern lag dieser Wert deutlich darunter. Dabei handelte es sich in einigen Fällen um die sogenannten „Eigenmarken“ der Händler, also beispielsweise das „Ja-Wasser“ von Rewe. Dieses stammt aus der Gebirgsquelle in Rhens, doch ob dieser Ursprung den höchsten Nickelgehalt des Wasser im Test erklärt? Eher nicht. Das Mineralwasser von Rewe wurde letztendlich mit einem „Mangelhaft“ bewertet, was den Händler nicht freuen dürfte.

Immerhin schafften es sechs getestete Mineralwasser, die Stiftung Warentest geschmacklich und bezüglich der Mineral- und Tafelwasserverordnung zu überzeugen. Darunter befanden sich die Eigenmarken von Kaufland (K-Classic), das Eigenwasser von Lidl (Saskia), die „Frische Brise“ und „Vio“.