Depressionen, Burnouts und Erschöpfungszustände im Studium

Die Zeiger der Zeit scheinen sich immer schneller zu drehen. Heute kann es sich kaum noch jemand erlauben, seine Arbeit in Ruhe und ohne Hektik zu verrichten. Diesem Wandel unterliegen in zunehmenden Maß auch Studierende.

Depressionen und Erschöpfungszustände im Studium Depressionen, Burnouts und Erschöpfungszustände im Studium (© juefraphoto - Fotolia.com)

orbei scheint das unbeschwerte Dasein als junger Fast-Akademiker – inklusive Partys und Kneipentouren. Die Zahl der unter psychisch erkrankten Studierenden erhöht sich fortlaufend. Depressionen, Burnouts und Erschöpfungszustände, das sind die hauptsächlichen Diagnosen.

Was sind die Gründe für die Überlastung?

Die Studiengänge legen in der Dichte zu und die teilweise extremen Anforderungen bezüglich des Lernstoffes steigern sich zunehmend. Hinzu kommen der Zeitdruck, die fremde Umgebung und die oft weite Entfernung zu Familienangehörigen und Freunden. Einen sensibleren Charakter kann all dies und noch viel mehr durchaus zusetzen. Hilfe gibt es bei den psychologischen Beratungsstellen der Studentenwerke – diese stehen den Betroffenen als erste Hilfestellung zur Verfügung. Nackte Zahlen spiegeln die veränderte Situation wieder: Im Jahr 2003 wandten sich rund 11.600 Studierende an die Beratungsstelle, im Jahr 2010 waren es bereits 23.200. Den höchsten Stand verzeichnete das Jahr 2012 mit 27.500 ratsuchenden Lernwilligen. Diese nach oben verlaufende Kurve zeigt deutlich, in welchem Maße die Anforderung an ein Studium in den letzten zehn Jahren stieg.

Welche seelischen Leiden plagen die Studierenden?

Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk in Berlin erklärt in der „Welt Online“, dass die Inanspruchnahme der psychologischen Beratung insgesamt betrachtet enorm zunahm. Allerdings decken die verschiedenen Probleme der Studierenden eine breite Palette ab. So haben viele Betroffenen extreme Prüfungsangst, Redeschwierigkeiten, Prokrastination – also den Hang, alles vor sich herzuschieben – Blockaden beim Schreiben, Konzentrationsstörungen bis hin zu schwerwiegenden Suchtproblemen. Dabei spielen die Mediensucht, Alkohol oder/und Drogen die wichtigsten Rollen. Gelegentlich haben es die Mitarbeiter der Beratungsstellen auch mit aktuellen Krisensituationen zu tun. Manche Studierende müssen den Tod eines nahestehenden Menschen verkraften, einige erlebten eine gewalttätige Situation und gelegentlich geht es um Suizidgedanken.
Weitere Gründe, die Psychologisch-Psychotherapeutische Beratung aufzusuchen, sind Selbstwertprobleme, teilweise Mobbing, Angstzustände oder depressive Verstimmungen oder ein Burnout-Syndrom.

Die Gründe für die Überbelastung

Oft liegt es ganz einfach am Geld, dass sich ein Betroffener in der Beratungsstelle meldet. Die Unvereinbarkeit zwischen Studium und Job stellt ein großes Problem dar. Stefan Grob sieht zudem die Bachelor-Studiengänge kritisch, denn diese verlangen den Studierenden innerhalb kürzester Zeit eine Menge ab. Es herrscht ein immenser Leistungsdruck und damit kommen viele nicht zurecht. Oft sind es genau jene, die von sich selbst Höchstleistungen erwarten.
Der Leiter der psychosozialen Beratungsstelle des Studentenwerks Oldenburg, Wilfried Schumann erklärt gegenüber der „Welt Online“, dass viele Studierende einfach mit völlig überzogenen Erwartungen an ihr eigenes Leistungsvermögen das Pensum bewältigen wollen. Das führt dann zu hausgemachtem Stress.

Realistisch betrachtet kann es nicht funktionieren: ein anspruchsvolles Studium, das Erlernen einer oder mehrerer Fremdsprachen, der Job, die sozialen Kontakte, das Freizeitvergnügen. Das kann nicht unter einen Hut zu bringen sein. Es bleibt also etwas auf der Strecke – in der Regel die sozialen Kontakte und das Freizeitvergnügen. Also genau jene Punkte, die nötig sind, um neue Energie freizusetzen. Norbert Hüge, Vorstandsvorsitzender des deutschen Bundesverbands für Burn-out-Prophylaxe und Prävention (DBVB) in München weist gegenüber der „Welt online“ daraufhin, dass jeder solche privaten Oasen brauche, um berufliche Ziele zu erreichen.

Was tun?

Es sei wichtig – so der DBVB weiter – dass jeder für sich eventuelle Stressfaktoren herausfindet und sich aus diesen löst, damit der Weg aus der Burnout-Falle geebnet ist. Die Entstehung eines Burnouts wird teilweise durch die eigene Persönlichkeit beeinflusst, so Norbert Hüge. Deswegen empfiehlt der DBVB das Erlernen einiger Entspannungstechniken, etwa Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Tai Chi oder Qi Gong. Zudem sollte die Wirkung von ausreichendem Schlaf nicht unterschätzt werden. Der Gesundheit förderlich sind zudem regelmäßige Auszeiten, eine gesunde Ernährung und Sport.