Der Spiegel der Gesundheit ist der Atem

 

Der menschliche Atem ist ein hervorragendes Medium für das Erkennen von Krankheiten. Der Atem verrät, ob der Mensch geraucht und was er getrunken; in Zukunft kann man anhand einer Rasterfahndung Krankheiten früh erkennen.

Datenträger für die Früherkennung ist die Lunge. Dieses gewaltige Organ mit einer gesamten Oberfläche von 100 m2 ist für den Austausch von Atemluft und Blut verantwortlich. Das Blut wird in den Lungen mit Sauerstoff gesättigt; aus dem Blut gelangen alle möglichen Stoffe in die Lungenbläschen. Damit kann man die Atemluft beim Ausatmen als „Fingerabdruck“ des Stoffwechsels des Menschen betrachten. Es wird vermutet, dass mehr als 3.000 verschiedene Substanzen in der Ausatemluft herumschwirren.

Optische Detektive

Detektive werden gerne als Schnüffler bezeichnet. Was Hippokrates vor mehr als 2.500 Jahren begann, erledigen heute optische Schnüffler. Hippokrates brauchte seine Nase, um festzustellen, wonach die Ausatemluft roch. Heute übernehmen diese Arbeit „optische Schnüffelnasen“, die erste Hinweise auf Krankheiten wie Infektionen, Krebs, Diabetes, Asthma und mehr erkennen. Diese Schnüffelnasen entsprechen den Röhrchen, die von der Polizei für den Alkoholtest verwendet werden.

Einige Erkrankungen zeigen sich in der Atemluft; beispielsweise Asthma, bei dem viel Stickstoffoxid beim Ausatmen ausgeschieden wird. Prof. Boris Mizaikoff ist von dieser Art der Erkennung von Krankheiten überzeugt. Er arbeitet beim Institute of Analytical and Bioanalytical Chemistry, das an der Universität Ulm seinen Sitz hat. Prof. Mizaikoff sagt im Gespräch mit NetDoktor, dass es die Marker und Marker-Kombinationen für viel mehr Krankheiten gibt, als dies den bisherigen Kenntnissen entspricht. Allerdings müssen die Kombinationen und Marker entschlüsselt werden.

Fingerabdruck durch Ausatmen

Am Institute of Analytical and Bioanalytical Chemistry arbeiten Prof. Mizaikoff und sein Team einer Mess-Methode. Das Messgerät sollte höchstens handtellergroß sein; die Mess-Methode klein verpackt, aber besonders empfindlich sein. Es gibt bereits Messgeräte, welche die Marker und Kombinationen erkennen, doch diese sind nicht nur zu sperrig, sondern auch viel zu teuer.

Das Mess-System, das Prof. Mizaikoff vorschwebt, bestrahlt die Atemluft mit Infrarotlicht. Das Infrarotlicht versetzt die in der Ausatemluft enthaltenen Moleküle in Schwingungen. Da jedes Molekül anders schwingt, kann man so den charakteristischen Fingerabdruck des einzelnen Moleküls ermitteln.

Es gibt einen Störfaktor

Die Nahrung sowie der Genuss von Nikotin beeinflusst die Ausatemluft. Bevor das von Prof. Mizaikoff entwickelte System korrekt arbeiten kann, muss es lernen, Informationen über Krankheiten von anderen Ursachen zu unterscheiden.

Bitte pusten

Die Ausatemluft ist eine effektive Datenquelle. Es wird jedoch noch Jahre dauern, bis sich das System von Prof. Mizaikoff in den Arztpraxen durchgesetzt hat. Sobald es soweit ist, stellt der Arzt seine Diagnose nach den Worten: Bitte einmal kräftig pusten.