Hannover: Kunstherz als Unterstützung des Herzens implantiert

Im niedersächsischen Hannover fand eine medizinische Weltpremiere statt: Ein 56-jähriger Mann aus Hessen erhielt das erste Kunstherz des Typs "Heartmate III". Laut der Medizinischen Hochschule in Hannover geht es dem Patienten dem Umständen entsprechend gut.

Hannover - Kunstherz implantiert Hannover: Kunstherz als Unterstützung des Herzens implantiert (© Romolo Tavani - Fotolia.com)

Der Patient selbst äußerte sich auf einer Pressekonferenz am Freitag in Hannover. Aufgrund der schweren Operation fühle er sich noch etwas schwach, dennoch berichtet der Mann von einer deutlichen Verbesserung seines Gesundheitszustandes, besonders der Atmung. In einigen Tagen kann er in eine Reha-Klinik wechseln. Die medizinische Hochschule in Hannover hat bereits für Mitte nächster Woche die nächste Operation geplant, bei der einem Patienten das neue Kunstherz implantiert wird.

Was ist ein Kunstherz?

Obwohl der Begriff darauf schließen lässt, ist ein Kunstherz kein Ersatz für das Organ, sondern es dient quasi der Unterstützung des Herzens. Es hilft, das Blut mit dem richtigen Druck durch den Körper zu pumpen. Die ersten Kunstherzen dienten lediglich als Übergangslösung. Damit wurde den Patienten ermöglicht, die Zeit zu überstehen, bis ein Spenderherz zur Verfügung steht. Es kommt jedoch auch heute noch vor, dass solch ein Gerät bei älteren Patienten dauerhaft eingesetzt wird. Insbesondere bei den Patienten, die aufgrund ihres Alters keine Transplantation mehr bewältigen könnten.

Die Problematik der Spenderorgane

Der Freiburger Herzchirurg Friedhelm Beyersdorf aus dem wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung erklärt, dass es in der Regel drei bis fünf Jahre dauere, bis ein passendes Spenderherz zur Verfügung steht.

In Deutschland warten derzeit rund 11.000 schwerkranke Menschen auf ein Spenderorgan. Allerdings sorgten in der jüngeren Vergangenheit aufgedeckte Skandale dafür, dass die Spendenbereitschaft stetig abnimmt. Aus diesem Grund gewinnt das Kunstherz an immer größerer Bedeutung.

Das Kunstherz „Heartmate III“

Das „neue“ Kunstherz ist kleiner und technisch versierter als das Vorgänger-Modell. Die Mediziner erklären die innovativen Aspekte des neuen Kunstherzens so, dass die Oberfläche so bearbeitet ist, dass eine Blutgerinnselbildung eventuell verhindert werden kann. Zudem kann das Gerät einen Puls auf künstlichem Weg erzeugen.

„Heartmate III“ wird in die linke Herzkammer eingesetzt und übernimmt die Pumpleistung für das Herz, so Prof. Axel Haverich, Klinikdirektor der Medizinischen Hochschule in Hannover. Das Gerät schafft es, bis zu zehn Liter Blut pro Minute zu pumpen. Damit bringt es die Leistung, die ein gesundes Herz auch schafft. Allerdings ist das neue Kunstherz nach wie vor in der Erprobungsphase und es wird wohl noch bis zu einem Jahr dauern, bis es eine endgültige Zulassung erhält. Das Modell wird weltweit in acht Zentren eingesetzt.

Seit dem Jahre 2004 profitierten rund 500 Menschen von der Technik bezüglich der Herzforschung. Mittlerweile bekommen in Deutschland mehr Menschen ein Kunstherz als ein echtes Spenderorgan. Bundesweit betrifft eine derartige Operation rund 1000 Menschen und allein auf die Medizinische Hochschule in Hannover entfallen davon rund 100 der Fälle.

Quelle: Weser-Kurier