Neue Motivation – Wie Hemmungen und Blockaden überwinden?

Nahezu jeder kennt die Situation fehlenden Mutes. Im Vorfeld scheint alles so klar - man nimmt sich vor, seinen Chef um eine Lohnerhöhung zu bitten. Oder es werden Worte zurechtgelegt, wie man die nette Dame anspricht, die einem täglich in der Bahn gegenübersitzt. Und das Ende vom Lied?

Ängste, Blockaden und Hemmungen überwinden Neue Motivation - Wie Hemmungen und Blockaden überwinden? (© XtravaganT - Fotolia.com)

Nichts ist passiert, denn der eigene Schatten war mal wieder im Weg. Die Ursachen solcher Hemmungen liegen in Blockaden, die tief im Menschen sitzen. An die Oberfläche gelangen sie in Form von Ausreden, das Ansprechen einer fremden Person sei blamabel oder man sei nicht der Typ für „so etwas“.

Blockaden überwinden

Gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ sprachen Experten darüber, wie sich solche Hemmungen und Blockaden überwinden lassen. So erklärt beispielsweise Nikolaus B. Enkelmann, Motivationstrainer und Buchautor, dass Hemmungen eine freie Entfaltung verhindern. Oft ist es nur die Angst vor Ausgrenzung, wenn es darum geht, jemanden anzusprechen, nach der Beförderung zu fragen oder einen neuen Sport auszuprobieren.
Nikolaus B. Enkelmann rät allen Betroffenen, nach der Ursache dieser Hemmung zu suchen. Ohne diese Ursachenforschung kommt niemand weiter. Wer sich nicht traut, steht sich nur selbst im Weg. Zumal sich die Betroffenen nach der Situation meist über sich selbst ärgern und bedauern, sich nicht getraut zu haben.

Die Suche nach der Ursache

Das Denken und Handeln lässt sich verändern, wenn den Betroffenen klar ist, worauf ihre Hemmungen beruhen. Angst vor einer Blamage? Mangelndes Selbstbewusstsein? Versagensängste?

Der Diplompsychologe Lutz Hertel ist Vorsitzender des Deutschen Wellness-Verbandes und er weist daraufhin, dass jede Blockade und Hemmung einen Grund hat. Irgendwann ereignete sich etwas, was den Mensch hemmt und ihn sozusagen „unfrei“ macht. Der Experte ist sich sicher, dass die Menschen viel freier wären, wenn sie keine Angst vor Fehlern hätten oder befürchten müssten, dass andere sich gar abwenden. Allerdings verleitet solch eine Angst dazu, immer weniger auszuprobieren, denn die Risikobereitschaft sinkt kontinuierlich.

Generell ist die Angst davor, sich zu blamieren, sinnvoll für die Gesellschaft. Diese Meinung vertritt Julia Scharnhorst vom Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). Allerdings kann diese gesunde Vorsicht so weit ausarten, dass eine Person sich überhaupt nichts mehr zutraut. Dahinter stecke meist mangelndes Selbstbewusstsein.

Was kommt auf mich zu?

Viele Menschen mögen keine Veränderungen. Sie haben Angst, Neues zu versuchen und halten krampfhaft an Altbewährtem fest. In Extremfällen führt diese Art „Kontrollzwang“ dazu, dass die Betroffenen an einer unglücklichen Beziehung festhalten oder sich täglich mit Magenschmerzen zur Arbeit quälen. Entschließen sich die Personen dann doch dazu, etwas zu verändern, erwarten sie oft eine Art Garantie, dass es klappt. Die gibt es aber nicht, so die Psychologin. Weitere Gründe für ein Scheitern liegen in der Denkweise begründet. Frühe Erfahrungen ohne Bezug zur aktuellen Lage spielen häufig eine Rolle. Oder die Erwartungen an sich selbst werden einfach zu hoch gesteckt. Auch dann kann eine neue Sache nicht funktionieren.

Therapeutische Maßnahmen helfen

Lutz Hertel ist der Ansicht, mit einer kognitiven Verhaltenstherapie lassen sich Blockaden auf psychologischem Weg abbauen. Mit der Unterstützung eines Therapeuten können Betroffene ihre Überzeugungen, Denkmuster und Glaubenssätze neu kennenlernen und gegebenenfalls verändern. Dieses Verfahren hilft den Betroffenen im Alltag, freier und entspannter zu agieren. Dazu gehört auch das Erlernen spezieller Atemtechniken, denn die praktische Anwendung kann aus einer erregten Situation eine völlig entspannte Lage machen.

Nikolaus B. Enkelmann ist Motivationstrainer und er spricht sich für das Führen eines „Glückstagebuches“ aus. In dieses Buch werden täglich drei erfreuliche Dinge notiert, die die Betroffenen erlebten. Jeder Tag hält so kleine Momente der Freude fest, auch schlechte Tage. Und sei es nur der Nachbar, der so freundlich grüßte. Nach spätestens einem Jahr verändern sich die Sichtweisen erheblich. Plötzlich tummeln sich im Kopf mehr positive als negative Gedanken.

Die Zügel in die Hand nehmen

Oft ist das Problem in der antriebslosen Lebensweise vieler Menschen begründet. Sie scheinen darauf zu warten, dass jemand an der Türe klopft und ihnen sagt, was Tolles auf sie zukommt. Doch die Menschen müssen ihr Leben selbst in die Hand nehmen, um etwas zu verändern, meint Enkelmann. Allerdings sollten der frische Schwung und die Motivation nicht so weit gehen, dass sich die Betroffenen zu viel auf einmal vornehmen. Stück für Stück sollte der Erfolgsweg begangen werden. Dann klappt das auch, so viel steht fest.