Wenn ein Fußballspiel zur Bedrohung wird

Fussball Gefahr für die Gesundheit Wenn ein Fußballspiel zur Bedrohung wird (© Coloures-pic - Fotolia.com)

Fußball stellt ein Gesundheitsrisiko dar. Wer jetzt an Knieverletzungen oder Knöchelfrakturen denkt, liegt zwar richtig, doch in diesem Artikel geht es eher um den Zuschauer. Die Deutsche Herzstiftung weist darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einer Fußball-Weltmeisterschaft einen Herzinfarkt zu erleiden, deutlich gesteigert ist. Millionen fußballbegeisterter Menschen versammeln sich währen einer WM vor den Bildschirmen, sie fiebern mit, sie jubeln, sie sind am Boden zerstört. Dieses extreme Gefühlschaos spielt sich innerhalb von 90 Minuten ab und setzt dem Herz-Kreislauf-System einer enormen Belastung aus.

Viele Notfälle während einer Fußball-WM

Dieser emotionale Stress kann für herzkranke Patienten regelrecht gefährlich werden, so die Deutsche Herzstiftung. Diese Aussage stützt sich auf eine Untersuchung, die im Raum München während der Fußball-WM im Jahr 2006 an 4.279 Patienten durchgeführt wurde. Die Studie wurde unter der Leitung von Dr.med. Ute Wilbert-Lampen von der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt und hat ergeben, dass die Zahl der Herzinfarkte während des Turniers an den sieben Spieltagen der deutschen Mannschaft deutlich erhöht war.

Wer ist gefährdet?

Schaut man sich die gefährdeten Patienten an, sind die Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK) besonders stark gefährdet. An den Spieltagen mit deutscher Beteiligung trat doppelt so oft wie gewöhnlich ein Notfall auf, so die deutsche Herzstiftung. Patienten mit einer bekannten Vorerkrankung (koronare Herzerkrankung) erlitten viermal so oft einen Herzanfall wie die Kontrollgruppe.

Was passiert im Körper?

Wird es vor einem der Tore eng, steigen bei den Zuschauern Blutdruck und Puls. Für gesunde Zuschauer ist das kein Problem, auch wenn diese die Symptome einer Herzerkrankung zeigen. Professor Dr. med. Thomas Meinertz, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung erklärt, dass ein Mensch mit einem gesunden Herz normalerweise keinen Herzinfarkt oder den plötzlichen Herztod erleidet, nur weil die Aufregung bei einem Fußballspiel sehr hoch ist, so spannend das Spiel auch sein mag.

Doch der emotionale Stress kann den Angaben der deutschen Herzstiftung zufolge durchaus zu ernsten Problemen führen – wenn bestimmte Vorerkrankungen dem Herzen ohnehin schon zusetzen. Es drohen Herzrhythmusstörungen oder im Extremfall ein Herzinfarkt bis hin zum plötzlichen Herztod. So kommt es unter Umständen durch die Ausschüttung der Stresshormone und den starken Anstieg des Blutdrucks zur Bildung kleinster Einrisse an der vorgeschädigten Gefäßwand. In der Folge kann sich ein kleines Blutgerinnsel bilden, das zur Verstopfung der Herzkranzgefäße führen kann und somit für einen Herzinfarkt ursächlich ist. Oder aber es kommt zu Herzrhythmusstörungen, bei der der Herzmuskel nicht mehr mit genügend Blut versorgt wird, hier lauert die Gefahr des tödlichen Kammerflimmerns.

Vorbeugende Maßnahmen

Damit das Risiko während eines spannenden Spiels so gering wie möglich gehalten wird, empfiehlt die Deutsche Herzstiftung verschiedene Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. So sollte beispielsweise die aktuelle Medikation mit dem Arzt besprochen werden – gerade im Hinblick auf die kommenden Belastungen durch die Fußball-WM. Professor Meinertz ist der Ansicht, dass Herzpatienten eventuell die Betablocker-Dosis erhöhen sollten – natürlich in Absprache mit dem behandelnden Arzt. Bei akut einsetzender Angina pectoris könnte Nitrospray helfen, wenn es frühzeitig eingesetzt wird. Für manche Menschen ist das lutschen von Isosorbiddinitrat sehr hilfreich. „Bis zu vier Stunden wirkt das Medikament“, erklärt der Professor. Der behandelnde Arzt könne auch entscheiden, ob die Gabe eines Beruhigungsmittels eine sinnvolle Alternative darstelle.

Nicht nur die Schulmedizin hat Ideen, wie einem herzkranken Patienten geholfen werden kann, die Naturheilkunde bietet ebenfalls Möglichkeiten. Um den Stress so gut es geht abzubauen, hilft eventuell Autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen.

Dem Körper werden Höchstleistungen abverlangt

Doch nicht nur der emotionale Stress und die Aufregung sind für den Körper echte Herausforderungen, es spielen noch mehr Faktoren eine Rolle. Der Alkoholkonsum steigt, es wird mehr geraucht und die kleinen Imbisse bestehen selten aus Obst. So wird dem Körper neben dem Alkohol und Nikotin meist noch vermehrt Fett angeboten, der in den Snacks nun mal meist enthalten ist.

So sehr sich alle auf die Fußball-WM ab dem 12. Juni freuen, die Gesundheitsrisiken sollten keinesfalls unter den Teppich gekehrt werden. Denn die möglichen Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkte sind tatsächlich die gravierendsten Gesundheitsgefahren. Deswegen sollten sich Herzpatienten frühzeitig zu ihrem Arzt begeben, um zu besprechen, wie sie vorbeugend handeln sollten.