Was ist „Headbanging“ und was sind die Gefahren?

Es hört sich auf den ersten Blick grotesk an, doch Headbanging kann tatsächlich gefährlich sein, wie Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover im britischen Fachjournal "The Lancet" berichten.

Headbangig - Musikkonzerte und die Gefahr Was ist "Headbanging" und was sind die Gefahren? (© alphaspirit - Fotolia.com)

Unter „Headbanging“ versteht man das wilde und rhythmische Schütteln mit dem Kopf – passend zur Musik. Dabei handelt es sich meist um Heavy-Metal- oder Rockmusik. Die Anhänger bewegen ihren Kopf ruckartig nach vorne, zur Seite oder sie lassen ihn kreisen.
Für einen Besucher des Konzertes der britischen Band „Motörhead“ ging das eigenwillige Tanzvergnügen nicht ganz so glimpflich aus. Der 50-jährige erlitt eine Hirnblutung.

Vom Verdacht zur Diagnose

Als der Patient mit seinen Beschwerden bei den Medizinern vorstellig wurde, entpuppte sich der Fall alsbald als ein Rätsel. Eine Hirnblutung war zweifelsohne vorhanden, doch der Patient verneinte sämtliche Fragen nach Stürzen, Schlägen oder Unfällen. Nichts sei ihm zugestoßen. Das wiederum ließ den Ärzten keine Ruhe und sie fragten weiter nach. So kristallisierte sich heraus, dass der Mann einen Monat zuvor ein Konzert der Gruppe Motörhead besuchte – und ausgiebig Headbanging machte. Jetzt klagte er über ständige Kopfschmerzen, die sich zudem stetig verschlimmerten.

Über ein Bohrloch durch den Schädelknochen konnte die Blutung entlastet werden. Die Hirnblutung wurde zwischen der Hirnoberfläche und dem Schädelknochen lokalisiert. Mittels einer Drainage wurde die Restflüssigkeit über einen Zeitraum von knapp einer Woche abgeleitet.

Diese Behandlung befreite den Mann von seinen Kopfschmerzen. Doch bei einer Verlaufs-Computertomographie stellte sich zudem noch heraus, dass der Patient eine gutartige Hirnzyste (Arachnoidalzyste) hatte. Diese kommt ebenfalls als Grund für die Hirnblutung in Betracht. Allerdings hatte diese Zyste noch nie Beschwerden verursacht, und der Patient wusste bis dato überhaupt nichts von deren Existenz.

Erstmalig in der Aufzeichnung

In dem Journal „The Lancet“ wird erwähnt, dass es sich hierbei um den ersten beschriebenen Fall handelt. Doch genau dieser Fall zeigt auf, dass durch Headbanging ein chronisches subdurales Hämatom ausgelöst werden kann.

Es ist ja bereits seit Längerem bekannt, dass ruckartige Kopfbewegungen zu Gefäßverletzungen, Schleudertraumata, Halswirbelbrüchen oder zu Verletzungen der Atemwege führen können. Doch viele Fans unterschätzen die Gefahren bei einem Konzert. Dass Boxer, Rugbyspieler oder Skifahrer erhöhten Gefahren ausgesetzt sind, das ist allgemein bekannt. Doch Musikfreunde?
Der Hautautor des Artikels, Ariyan Pirayes, weist jedoch explizit daraufhin, dass die Veröffentlichung keinesfalls dazu diene, das Headbanging zu verteufeln oder gar davor zu warnen. Im Gegenteil, solch ein Vorfall beweist nur, dass der Ruf von Motörhead als eine der härtesten Hardrockband gerechtfertigt sei. Immerhin ist der an der Medizinischen Hochschule in Hannover arbeitende Assistenzarzt persönlich dieser Musik nicht abgeneigt.

Doch bei einer Musik mit diesen Takten und den harten Tönen erhöht sich zwangsläufig die Verletzungsgefahr. Doch der Neurochirurg erklärt zudem noch, wie extrem selten so ein Fall ist. Wer eine Oper besucht und andächtig den Kopf sanft hin und her wiegt, muss sich da eher keine Sorgen machen.

Vor rund 20 Jahren starb ein 28-jähriger Konzertbesucher der Rockgruppe „Aerosmith“. Allerdings stieß der junge Mann offensichtlich mit einem anderen Konzertbesucher äußerst unglücklich zusammen, wie die Polizei damals berichtete.