Wie finde ich den passenden Laufschuh?

Joggen zählt zu den Sportarten, die mit relativ wenig finanziellem Aufwand betrieben werden können. Lediglich bei der Auswahl der Laufschuhe sollte das Augenmerk auf einige Aspekte gelegt werden - der Preis spielt der Gesundheit zuliebe eher eine untergeordnete Rolle.

Was ist der richtige Laufschuh Wie findet man den richtigen Laufschuh? (© Kara - Fotolia.com)

Einen innovativen Sprung in der Entwicklung vollzogen Laufschuhe übrigens ab den 1980er bis in die 1990er Jahre hinein. Diese Ansicht vertritt zumindest der Sportwissenschaftler Stefan Grau.

Laufen war plötzlich „in“

Vor rund 30 Jahren setzte ein regelrechter Laufboom in Deutschland ein. Aus „Laufen“ wurde „Joggen“ und fast jeder rannte mehr oder weniger effektiv in der Natur beziehungsweise in der Stadt herum. Die Schuhhersteller reagierten und brachten verschiedene Modelle mit entsprechender Dämpfung hervor. Die Sohlen sollten die Stoßkräfte beim Aufsetzen des Fußes abfedern und dazu waren weiche Sohlen nötig. Die Verletzungen gingen allerdings durch diese Maßnahmen nicht zurück, so ging es jetzt darum, die Schuhe zu stabilisieren und zu stützen. Das neue Zauberwort lautete: Pronationsstützen. Damit wird verhindert, dass sich der Fuß nach innen eindreht. Die Verletzungsrate? Blieb gleich hoch. Nun könnte fast der Eindruck entstehen, dass sich die Verletzungsgefahr trotz des hohen wissenschaftlichen Aufwandes nicht verringerte – er sich also nicht lohnte. Genau diese Auffassung vertritt Stefan Grau nicht, im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen.

Der Sportwissenschaftler verweist auf den Trainingszustand der damaligen Läufer und der heutigen Sportler. Der Laufboom setzte mit trainierten Sportlern ein. Erst danach folgten Menschen, die mit Joggen ihre „Sportlerkarriere“ beginnen wollten. Trotz des Umstands, dass sich heute trainierte und untrainierte Läufer auf den Wegen tummeln, ist die Verletzungsrate nicht höher als einst. Somit dienen die Schuhe durchaus der Sicherheit. Doch diesen Zweck können Laufschuhe nur dann erfüllen, wenn sie zum jeweiligen Läufer passen.

Der Fußtyp entscheidet über den korrekten Laufschuh

Das Sprunggelenk ist ein entscheidender Faktor für den richtigen Laufschuh, darauf weist Stefan Grau hin. Der Schuh kann durchaus helfen, fehlende Stabilität des Sprunggelenkes auszugleichen, etwa mit dämpfenden Crashpads oder mit stabilen Fersenkappen.
Es gibt sowohl bei Männern als auch bei Frauen breite oder schmale Füße. Tendenziell hängt dies ein wenig von der Größe der Füße ab. So haben Menschen mit großen Füßen eher schmalere Füße und Menschen mit kleinen Füßen neigen eher zu breiteren Füßen.
Bei der Dämpfung hat sich im Gegensatz zu früher viel geändert. Denn die damalig verwendeten Sohlen waren zwar gut dämpfend, doch dabei viel zu weich und letztendlich instabil. Band- und Sehnenverletzungen nahmen deutlich zu, in den Wartesälen der Kliniken sah man überproportional viele Läufer mit dick bandagierten Gelenken. Heute werden flachere Dämpfungssysteme verwendet. Diese eignen sich auch bei Personen, die mit einem Sporttraining überhaupt erst anfangen, so der Experte.

Der Mediziner Matthias Marquardt betont in seinem Werk „Das große Laufschuhbuch“, dass die moderne Medizin in einer Stoßbelastung keine negativen Aspekte sieht. Im Gegenteil – für den Körper ist solch eine Belastung sogar notwendig. Denn die daraus resultierenden Kräfte können Knochenschwund verhindern und zudem tragen sie zur Gesunderhaltung bei.

Wichtig: die Passform des Schuhs

Bei einer gut durchtrainierten Person ist laut Stefan Grau lediglich die korrekte Passform des Laufschuhs wichtig. Im Allgemeinen empfiehlt es sich, den Schuh eine halbe Nummer größer auszuwählen. Denn bedingt durch die Laufaktivität rutscht der Fuß im Schuh hin und her, was das erhöhte Platzangebot nach vorne erklärt. Im mittleren Bereich des Fußes sollte der Schuh eng anliegen, damit er Stabilität spendet. Natürlich muss die Ferse fest im Schuh liegen, sonst drohen Probleme mit der Achillessehne.
Der Leiter des Instituts für Biomechanik und Orthopädie an der deutschen Sporthochschule Köln, Prof. Gert-Peter Brüggemann weist hingegen auf die Beachtung des Knies hin. Immerhin betreffen rund 48 Prozent aller Laufverletzungen dieses Gelenk. Ein Knie folgt einer normalen Bewegung. Beim Laufen kann diese normale Bewegung gestört werden, deshalb sollte der Schuh dies wieder ausgleichen.

Professor Brüggemann erklärt das sinngemäß damit, dass ein Schuh den Kraftangriffspunkt am Fuß und damit die Hebelkräfte des Knies verändern kann. Seiner Meinung nach ist dies alles, was ein guter Schuh leisten muss. Letztendlich diene ein Schuh dazu, die natürlichen Bewegungsabläufe zu unterstützen.

Quelle: WZ-Newsline