Osteopathie – tut gut, ist gut?

Die Osteopathie ist zwar eine alternative Behandlungsform, doch immer mehr Krankenkassen bezahlen die Kosten einer Behandlung. Was sich auf den ersten Blick sehr gut anhört, hat beim genaueren Hinschauen einen Haken.

Osteopathie Osteopathie - tut gut, ist gut? (© Jeanette Dietl - Fotolia.com)

Laut eines Berichtes des Radiosenders „NDR Info“ lockt dieser Umstand zahlreiche Therapeuten auf den Plan, die nicht ausreichend qualifiziert sind.

Die Kehrtwende – das Jahr 2012

Das Jahr 2012 war für viele Ärzte der Zeitpunkt, ihr Leistungsspektrum um die Behandlungsmethode „Osteopathie“ zu erweitern. Der Grund: In diesem Jahr haben sich eine Reihe von Krankenkassen dazu entschieden, die Behandlungskosten der Osteopathie vollständig zu bezahlen. In dem Radiobericht kam zur Sprache, dass die Ausgaben der Krankenkassen auf etwa 110 Millionen Euro angestiegen sind. Somit stieg die Höhe der Ausgaben um das Dreifache an. Diese Aussagen stützen sich auf eine Auswertung von 60 Krankenkassen.

Der häufigste Grund für eine osteopathische Behandlung waren Beschwerden im Rücken. Gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) äußerste sich eine Sprecherin der Techniker Krankenkasse und bestätigte den Trend zu mehr osteopathischen Behandlungen. Innerhalb von nur drei Jahren verdoppelte sich zudem die Zahl der Mitglieder im Osteopathie-Berufsverband.

Wer hat`s erfunden?

Der Arzt Dr. Andrew Taylor Still (1828 – 1917) begründete die Osteopathie im Jahr 1874 als eigene Medizinrichtung in den Vereinigten Staaten. Er war über den Fortschritt der Schulmedizin unzufrieden und er suchte nach neuen Wegen, den Menschen heilend und helfend zur Seite zu stehen. Seiner Meinung nach ist das Wissen der Anatomie in Verbindung mit der Physiologie unabdingbar, um osteopathisch zu arbeiten. Er beschäftigte sich intensiv mit der Anatomie des menschlichen Organismus und gründete sogar eine eigen Schule. Nach seinem Tod wurde die Arbeit des Begründers durch seine Schüler fortgesetzt und erweitert. Schließlich gelangten die Erkenntnisse Anfang des 20. Jahrhunderts nach Europa. Zuerst nach England, gefolgt von Frankreich und Deutschland. Hierzulande eröffneten Ende der 1980er Jahre die ersten Lehranstalten für Osteopathie. Heute ist die Osteopathie ein anerkannter Medizinzweig.

Was ist die Kernaussage der Osteopathie?

Die Osteopathie konzentriert sich auf wesentliche Punkte der Behandlung:

  1. Der Körper ist eine Einheit und er wird als Einheit behandelt.
  2. Es muss dem Körper geholfen werden, sich selbst zu heilen, denn dieses Bestreben hat jeder Organismus.
  3. Das Gleichgewicht zwischen der Struktur und der Funktion des Organismus muss erhalten oder wiederhergestellt werden.
  4. Die Flüssigkeitssysteme im Körper sind elementar wichtig.

Behandelt wird mit den Händen. Eine Medikation findet nicht statt. Die vielen zufriedenen Patienten sprechen eine eindeutige Sprache – sofern der Osteopath sein „Handwerk“ versteht.

Nicht jeder Osteopath ist ein guter Osteopath

Doch eine Berufsgruppe war von Anfang an dagegen, dass die Krankenkassen die Behandlungskosten übernehmen: die Fachärzte. Der Grund liegt in der oft mangelnden Qualifikation der ausübenden Personen. Derzeit ist die Berufsbezeichnung „Osteopath“ nicht geschützt, somit darf sich jeder als ein solcher bezeichnen. Um den Patienten Hilfestellung bei der Auswahl der Therapeuten zu geben, bietet der Verband für Osteopathie Deutschland (VOD) eine Therapeutenliste per Telefon, per Schriftform oder im Internet unter www.osteopathie.de an. Dabei werden von dem Verband nur Osteopathen aufgeführt, die feste Kriterien erfüllen.

Die Techniker nahmen die osteopathische Behandlung im Jahr 2012 in ihrem Leistungskatalog auf. Allerdings weist die Sprecherin darauf hin, dass nur dann die Kosten übernommen werden, wenn der Osteopath über eine entsprechende Qualifizierung verfügt. Die Ausbildungszeit eines Osteopathen beläuft sich immerhin auf mindestens 1350 Stunden, so die Sprecherin. Die letzte Patientenbefragung ergab dennoch ein Gesamtbild der Zufriedenheit. Beschwerden gebe es kaum und die Mehrheit der Patienten fühlen sich mit der Behandlung wohl.

Die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf

Gabi Prediger, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Osteopathie bemängelt die fehlenden gesetzlichen Regeln betreffend der Ausbildung eines Osteopathen. Sie geht sogar so weit zu sagen, dass aufgrund der mangelhaften Ausbildung eine Gefahr für manche Patienten bestünde. Dennoch bleibt die aktuelle Bundesregierung auf dem Standpunkt, dass an der jetzigen Regelung nichts geändert werden müsse. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums bestätige, dass die Regierung keine Absicht habe, etwas zu ändern.