Wadenkrämpfe – wenn die Muskeln verrückt spielen

Aktuell sieht man im Fernsehen recht häufig junge Männer mit Muskelkrämpfen. Nein, dabei handelt es sich nicht um eine neue Erkrankungswelle unbekannten Ursprungs, sondern die Ursache für den Anblick liegt schlicht an der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien.

Sport und Wadenkrämpfe Wadenkrämpfe - wenn die Muskeln verrückt spielen (© Dirima - Fotolia.com)

Den Spielern werden Höchstleistungen abverlangt und gelegentlich kommt es zu einem Muskelkrampf. Selbst ein völliger Laie kann am Bildschirm verfolgen, wann ein Spieler von einem Muskelkrampf gepackt wurde: Der Sportler liegt auf dem Rücken im Rasen. Eine andere Person hält das Bein des „Krampfgeplagten“ nach oben und drückt zugleich die Fußzehen in Richtung Schienbein.

Jeden kann es treffen

Allerdings sind Muskelkrämpfe nicht nur Profisportlern vorbehalten. Der schlagartig auftretende, ziehende Schmerz kann generell jeden treffen. Im Allgemeinen wird Magnesium als probates Mittel zur Verhinderung solcher Krämpfe angepriesen, doch Experten verweisen auf den Nutzen von Natriumchlorid, also Kochsalz.

Die Muskeln benötigen eine bestimmte Menge an Salz, um nicht zu verkrampfen. Gerade beim Sport kommt es zu starkem Schwitzen ohne eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Dadurch kann es zu einem Engpass mit der Versorgung von Elektrolyten kommen.

Doch wer der Meinung ist, er trinkt beispielsweise bei einem Marathon einfach alle paar Schritte einige Schluck Wasser, tut seinem Körper ebenfalls keinen Gefallen. Denn eine zu hohe Flüssigkeitsmenge führt dazu, dass der Salzspiegel im Blut absinkt. Darauf weist Prof. Herbert Löllgen von der deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention gegenüber der „dpa“ hin.

Einer sportlichen Anstrengung begegnen Athleten am besten mit einer ausgewogenen Flüssigkeitsmenge vor und nach der Leistung. Eine Kombination mit Kochsalz, Magnesium und Kalzium ist effektiv und bringt den meisten Nutzen. Entgegen der landläufigen Meinung ist pures Wasser nicht unbedingt empfehlenswert. Es enthält zu wenig Elektrolyte und zudem verdünnt es zu stark den natürlichen Salzgehalt im Körper. Wer sich körperlich verausgabt, sollte auf Elektrolytgetränke zurückgreifen. Wer mag, mischt sich Fruchtsaft mit Wasser und gibt eine geringe Menge Salz hinzu.

Erste Hilfe bei einem Muskelkrampf

Beugen – bewegen – bearbeiten, so sehen die ersten Maßnahmen bei einem Muskelkrampf aus. Zuerst wird dem Schmerz nachgegeben, indem der Muskel verkürzt wird. Sobald die Beschwerden nachlassen, wird der Muskel gedehnt, wie es bereits oben am Beispiel eines Fußballers beschrieben wurde. Ist keine zweite Person vor Ort, greifen Sie selbst zu Ihrem Fuß und ziehen ihn so stark es geht in Richtung Schienbein. Bei einem Auftreten des Schmerzes beim Liegen, also bei einem der berühmten nächtlichen Wadenkrämpfe, lautet die Devise: aufstehen und umherlaufen. Hat sich der Schmerz wieder verflüchtigt, sollte ausreichend Flüssigkeit getrunken werden, damit sich der Elektrolytmangel wieder ausgleicht.

Und beim Sport?

Nach einem Muskelkrampf ist wenigstens eine kurze Pause angesagt. Der Muskel sollte entspannen, bevor er wieder belastet wird. Treten die Beschwerden erneut auf, muss die sportliche Leistung eingestellt werden. Dann ist das Training oder der Wettkampf zu beenden – Gesundheit geht immer vor. Wer trotz anhaltender Schmerzen weiter Sport treibt, riskiert größere Verletzungen im Muskelbereich, etwa Muskelzerrungen oder Faserrisse.

Kommt es beim Sport immer wieder zu Krämpfen, gibt eine Blutuntersuchung Aufschluss über die Ursachen. Diese können im Bereich einer Mangeldurchblutung liegen, die Folge einer Diabetes mellitus Erkrankung sein oder schlicht auf eventuelle Nebenwirkungen von Medikamenten zurückgehen. Auch eine eventuelle Überbelastung kommt infrage, ebenso wie eine orthopädische Fußfehlstellung oder eine Störung des Stoffwechsels.